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Bernhard Brinkmann bekommt das Bundesverdienstkreuz Foto: Andrea Hempen
Bernhard Brinkmann bekommt das Bundesverdienstkreuz

27. September 2020: Bernhard Brinkmann bekommt das Bundesverdienstkreuz

Schellerten - Im Schellerter Rathaus ist dem ehemaligen Bundestagsabgeordneten Bernhard Brinkmann aus Dinklar am 18.08.2020 der Verdienstorden der Bundesrepublik verliehen worden.

Schellerten – Zwei Männer steuern in einem Krankenwagen auf die polnische Grenze zu. Hinter Spielzeug versteckt, wollen sie medizinische Geräte und Insulin über die Grenze schmuggeln. Der eine hat vor Angst, dass ihr Vorhaben entdeckt wird, tellergroße Schweißflecken unter den Achseln. Der andere ist ganz cool: Bernhard Brinkmann. An der Grenze angekommen, hält er dem Grenzer seinen Bundestagsausweis hin. Die Männer werden durchgewunken. Das ist nochmal gut gegangen. Die Geschichte aus dem Jahr 1999 hat Friedhelm Hallmann so beeindruckt, dass er sie am Dienstag im Schellerter Rathaus zum Besten gab. Der Anlass: Die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes an den ehemaligen SPD-Bundestagsabgeordneten Bernhard Brinkmann.

Die Liste ist lang

Für die Schmuggelaktion bekam der heute 68-Jährige den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland freilich nicht verliehen. Die Liste der Gründe, warum dieser Mann den Orden verdient hat, ist lang. Sehr lang, wie Landrat Olaf Levonen betonte, als er die Laudatio im festlich hergerichteten Sitzungssaal des Schellerter Rathauses hielt.

Brinkmann ist seit über 46 Jahren in der Politik aktiv. 1974 wurde er in den Dinklarer Ortsrat gewählt, ein Jahr später saß er als Mitglied im Rat der Gemeinde Schellerten. Er war in seinem Geburtsort stellvertretender Ortsbürgermeister und ist stellvertretender Bürgermeister der Gemeinde Schellerten. 1998 zog er als direkt gewählter Abgeordneter in den Bundestag ein und behielt sein Mandat bis 2013. Eine schwere Krankheit hielt ihn damals davon ab, ein weiteres Mal zu kandidieren.

Viele Ämter

„Ich glaube, es gab kein Anliegen, um das Du dich nicht persönlich gekümmert hast“, sagte Levonen. Brinkmanns Devise sei immer gewesen: Der Starke muss dem Schwächeren helfen. Und so habe der Sozialdemokrat immer gehalten. Die Zahl der Ämter, die der 1,96-Meter-Mann bekleidet hat und noch bekleidet, ist enorm: Vorsitzender des Kuratoriums der Stiftung Himmelsthür, seit 1991 Mitglied des Aufsichtsrates der Kurbetriebsgesellschaft Bad Salzdetfurth, stellv. Kreisvorsitzender der AWO, im Ortsverband ist er seit 30 Jahren aktiv, Mitglied des Kuratoriums der Paul-Feindt-Stiftung, engagiert im SV Dinklar, DRK, KKV, Verdi, Mitglied der Gewerkschaft IG BCE, Reservistenkameradschaft, der Stiftung St. Barbara und nicht zuletzt Gründungsmitglied der Sparschweingemeinschaft Dinklar.

Nach dem Levonen Brinkmann die von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier persönlich unterzeichnete Urkunde überreichte und ihm den Orden an das Revers seines dunkelblauen Jacketts geheftet hatte, lobte Gemeindebürgermeister Axel Witte die Verlässlichkeit des Dinklarers. Er habe immer ein offenes Ohr für alle Menschen gehabt – außer zur Frühstückszeit. Denn Rita Brinkmann sorge immer dafür, dass ihr Mann gut gestärkt in den Tag geht. „Außerdem weiß ich ja, dass sie sich nicht kurzfassen können und dann wurde immer der Kaffee kalt“, entgegnete Rita Brinkmann darauf. Als Dankeschön für den jahrzehntelangen Einsatz in der Gemeinde überreichte Witte eine Jahreskarte für das Freibad Garmissen, das Brinkmann so sehr am Herzen liegt. „All in – außer Currywurst“.

Kaune brachte Stein ins Rollen

Als dritter Redner ergriff Martin Kaune, der ehemalige Geschäftsführer der Kurbetriebsgesellschaft Bad Salzdetfurth das Wort. Er bezeichnete Brinkmann als einen „aktiven Motor mit Weitsicht“. Es sei eine tolle Leistung des Aufsichtsrates gewesen, dass das Gradierwerk in Bad Salzdetfurth saniert werden konnte. Das Konsolidierungsprogramm des Kurbetriebes hob Kaune ebenso hervor, wie die Erweiterung des Sole-Bades um die Sauna-Landschaft und die Sanierung des Sanitärbereiches, der so edel wie in einem guten Hotel ist. Brinkmann sei es auch zu verdanken gewesen, dass die Gesellschaft nach dem Hochwasser 2018 zwei Millionen Euro Fördergeld bekommen hat. Bernhard Evers, ebenfalls Mitglied des Aufsichtsrates der Bäder Bad Salzdetfurth, hob die Entschlossenheit Brinkmanns hervor: „Hätten wir Bedenkenträger oder Zauderer in der Kurbetriebsgesellschaft gehabt, gäbe es sie heute wohl nicht mehr.“

Brinkmann dankte zunächst Axel Witte und der Gemeindemitarbeiterin Claudia Pflug für die Ausrichtung der Feierstunde und, dass sie es möglich gemacht hatten, dass er diesen Tag trotz Corona-Auflagen mit Freunden und Wegbegleitern im Rathaus feiern konnte. Er habe sich Anfang der 1970er Jahre vieles vorstellen können, sagte Brinkmann. Aber nicht, dass er eines Tages mal eine politische Karriere machen würde. Als Versicherungskaufmann hatte er einen guten Job und gerade mit seiner Frau ein Haus in Dinklar gebaut. „Und dann bekam ich eine Einladung in eine Kellerbar in Sarstedt“, erzählte Brinkmann. Hermann Rappe hatte ihn eingeladen. „Du hast es generalstabsmäßig vorbereitet, dass ich Politiker wurde“, sagte er zu Rappe. Der 91-Jährige zählte zu den Ehrengästen.

Stolz und dankbar

„Die Auszeichnung erfüllt mich mit Stolz und Dankbarkeit“, erklärte der Geehrte. „Manche meinen, dass ich nicht immer ganz einfach gewesen bin. Vielleicht sollte man das auch mal sagen.“

Text und Bild HAZ von Andrea Hempen

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